Unternehmens-KI
Atos startet Genesis Intelligence und Codex für kontrollierte Unternehmens-KI
Die am 26. Oktober vorgestellte Suite verbindet Daten, Modelle und betriebliche Aktionen. Sie baut auf früheren souveränen KI-Diensten und Atos’ Partnernetz auf.
Atos hat am 26. Oktober Genesis Intelligence angekündigt. Die Suite für Unternehmen führt Datenmanagement, KI-Funktionen und betriebliche Kontrollmechanismen zusammen. Außerdem stellte das Unternehmen Atos Codex vor, eine Plattform, die von KI erzeugte Erkenntnisse mit Aktionen in kritischen Betriebsabläufen verbinden soll. Angesprochen werden Organisationen, die sensible Informationen verarbeiten oder Dienste betreiben, bei denen Unterbrechungen erhebliche Folgen haben. Dazu zählen Verkehrsunternehmen, Industriebetriebe und öffentliche Einrichtungen.
Atos Codex steht für Center of Operations and Data EXcellence. Als Grundlage ist eine gemeinsame Darstellung der Aktivitäten einer Organisation vorgesehen: relevante Personen und Systeme, ihre Beziehungen, geltende Regeln, Berechtigungen und verfügbare Aktionen. Nutzer und KI erhalten dadurch einen gemeinsamen geschäftlichen Kontext. Laut Atos bestimmt die Organisation, wie Entscheidungen in Handlungen übergehen und wie viel menschliche Kontrolle erhalten bleibt. Eine Empfehlung wird damit nicht automatisch als Erlaubnis verstanden, die entsprechende Aktion auch auszuführen.
Zur Suite gehören Datenaufbereitung und Nachverfolgbarkeit, Modellauswahl und Kostenmanagement, eine Entwicklungsumgebung für kleinere, lokal einsetzbare Sprachmodelle sowie ein Unternehmensportal für anpassbare Agenten. Atos beschreibt den Einsatz in öffentlichen oder souveränen Clouds, auf kundeneigenen Anlagen und in Umgebungen ohne externe Netzwerkverbindung. Die Ankündigung enthält weder eine allgemeine Preisliste noch einen Zeitplan für die Bereitstellung oder unabhängig gemessene Kundenergebnisse.
Die Dienstleistungen hinter diesem Angebot nahmen bereits früher im Jahr Gestalt an. Am 12. März kündigte Atos die Sovereign Agentic Studios an, ein Bereitstellungsmodell in vier Ländern, das von zehn globalen Delivery-Centern unterstützt wird. Das Unternehmen nannte dabei Arbeiten in Birmingham und Texas sowie Fähigkeiten in Frankreich und Deutschland. Sicherheit, Aufsicht und die Wahl des Betriebsorts für Daten und Modelle wurden als Bestandteile der Einführung von Agenten in den täglichen Geschäftsbetrieb beschrieben.
Eine Unternehmensanalyse vom 20. Mai erläutert die Probleme, auf die diese Kontrollmechanismen abzielen. Atos nannte Risiken wie die Offenlegung von Daten, manipulierte Modellausgaben und unbefugte Zugriffe. Zugleich argumentierte das Unternehmen, dass undurchsichtige Entscheidungen das Auffinden von Fehlern erschweren. Der vorgeschlagene Ansatz verbindet Bewertungen, Richtlinien, Tests, Identitätskontrollen und Überwachung. Das ist die Darstellung des Anbieters zu seinem Sicherheitsansatz und kein Beleg dafür, dass das Bündeln dieser Elemente jede mögliche Fehlerart eines KI-Systems beseitigt.
Die Analyse beschrieb auch frühere Beratungsaufträge. Eine nicht genannte Organisation des öffentlichen Sektors, die Microsoft 365 Copilot erprobte, erhielt eine mehrschichtige Bewertung von Software, KI-spezifischen Risiken und Datenschutzfragen. Ein anderer anonymer Technologiekunde erhielt eine Prüfung seiner Plattform für generative KI-Anwendungen sowie Empfehlungen zur Behebung von Schwachstellen. Diese Berichte verdeutlichen die Art von Umsetzungsarbeit, die Atos in das neue Angebot einbringt. Der Blog bezeichnet sie jedoch nicht als Bereitstellungen von Genesis Intelligence.
Die Studios-Ankündigung vom März ergänzt die Zusammenarbeit mit Partnern. Atos erklärte, gemeinsam mit Poolside an Unternehmensagenten zu arbeiten, die auf kundeneigener Infrastruktur laufen können. Dabei werde die Plattform des Partners mit den eigenen betrieblichen Kontrollmechanismen kombiniert. Der Scaler-Accelerator stellte außerdem Kontakte zwischen Kunden und Unternehmen für Prozessbewertung, Mitarbeiterunterstützung und Agentensicherheit her. Die im Oktober vorgestellte Suite baut somit auf einem bestehenden Netzwerk von Dienstleistungen und Partnern auf.
In der früheren Ankündigung wurde das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten als Studios-Kunde genannt. Das Ministerium beschrieb Modernisierungsarbeiten und weitere KI-Anwendungsfälle, die einer strukturierten Bewertung unterzogen werden. Diese Beziehung bestand bereits vor dem Start von Genesis Intelligence und betrifft die Zusammenarbeit im Rahmen von Studios. Sie liefert Hintergrund zu Atos’ Schwerpunkt auf kritischen öffentlichen Diensten. Die neu angekündigte Suite bleibt dabei von Kundenergebnissen getrennt, über die schon Monate zuvor berichtet wurde.