KI-Infrastruktur
Microsoft erweitert souveräne Cloud um lokale KI und mehr Betriebskontrolle
Microsoft plant zur Ignite die Freigabe lokaler KI- und Entwicklungswerkzeuge und ergänzt Cloud-Aufsicht sowie den Wechsel in den getrennten Betrieb.
Microsoft hat am 20. Oktober eine Erweiterung seines Portfolios für souveräne Clouds vorgestellt. Foundry Local und GitHub Enterprise Local sollen zur Microsoft Ignite allgemein verfügbar werden. Foundry Local wird auf Azure Local sowohl den verbundenen als auch den vom Netz getrennten Betrieb unterstützen und einen größeren Modellkatalog erhalten. GitHub Enterprise Local wird dort als validierte GitHub-Enterprise-Server-Appliance bereitgestellt, damit Repositories und Entwicklungsartefakte in Umgebungen verbleiben, die von den Kunden selbst betrieben werden.
Das Unternehmen kündigte außerdem öffentliche Vorschauen für DocumentDB und Blob Storage auf Azure Local sowie für den Übergang von Workloads aus dem verbundenen in den getrennten Betrieb an. Sovereign Control Panel soll zur Ignite in die öffentliche Vorschau starten. Die externe Schlüsselverwaltung mit Azure Managed HSM ist laut Microsoft bereits allgemein verfügbar. Der zentrale Verschlüsselungsschlüssel kann damit auf Hardware verbleiben, die Kunden oder vertrauenswürdige Dritte betreiben. Die Zeitpläne unterscheiden sich: Die Ignite-Termine liegen noch in der Zukunft, während die Funktion für externe Schlüssel als bereits verfügbar beschrieben wird.
Das Portfolio geht auf Juni 2025 zurück, als Microsoft sein umfassenderes souveränes Cloud-Angebot für europäische Organisationen vorstellte. Die Architektur verband Kontrollfunktionen für die öffentliche Cloud, privat betriebene Kundeninfrastruktur und unabhängig betriebene nationale Partner-Clouds. Data Guardian, externe Schlüsselverwaltung und Microsoft 365 Local gehörten zu den damals angekündigten Funktionen. Der Ansatz für die öffentliche Cloud erweiterte Microsoft Cloud for Sovereignty. Die private Variante nutzte Azure Local, um Infrastruktur und Produktivitätsserver in kundeneigene Umgebungen zu bringen. Die Oktober-Ankündigung entwickelt somit eine vorhandene Plattform weiter; souveräne Clouds und lokale KI werden damit nicht erstmals eingeführt.
Auch der netzgetrennte Betrieb ist älter als das aktuelle Update. Im Februar stellte Microsoft die getrennten Betriebsmodi von Azure Local und Microsoft 365 Local weltweit bereit. Große Modelle in Foundry Local wurden qualifizierten Kunden zugänglich gemacht. Azure Local verlagerte Verwaltung, Richtliniendurchsetzung und Workload-Ausführung in die Kundenumgebung und verringerte damit die Abhängigkeit von einer dauerhaften Verbindung zur öffentlichen Cloud. Die Produktivitätsebene brachte Exchange Server, SharePoint Server und Skype for Business Server in dieselbe operative Grenze. Microsoft beschrieb lokale multimodale Inferenz auf moderner Partnerhardware, darunter Infrastruktur von NVIDIA. Diese frühere Veröffentlichung schuf die Offline-Grundlage, auf der die nun angekündigte Übergangsfunktion aufbaut.
Im April vergrößerte Microsoft die zugrunde liegende Infrastruktur und kündigte Unterstützung für bis zu mehrere Tausend Server innerhalb einer einzigen souveränen Umgebung an. Die Erweiterung richtete sich an große Rechenzentren, Industrieanlagen und Edge-Installationen mit anspruchsvollen KI- und Daten-Workloads. GPU-Unterstützung ermöglichte Inferenz und Analysen auf kundenseitig kontrollierter Infrastruktur, während Zugriffsverwaltung, Audits und Compliance-Kontrollen lokal blieben. Größere Fehlerdomänen und Infrastrukturpools sollten die Auswirkungen von Hardwareausfällen begrenzen. Diese Ankündigung betraf die Kapazität privater Installationen und damit eine andere Frage als die in dieser Woche beschriebenen Anwendungs- und Kontrollfunktionen.
Der Schwerpunkt auf dem Betrieb folgt auch Microsofts europäischen Resilienzversprechen. In einem Fortschrittsbericht vom April erklärte das Unternehmen, die EU Data Boundary abgeschlossen und seine Zusagen zur Datenverarbeitung in Europa auf KI-Produktivitätsdienste ausgeweitet zu haben. Außerdem sei das Digital Resilience Commitment in Verträgen mit europäischen nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission rechtsverbindlich verankert worden. Dazu gehört das Versprechen, staatliche Anordnungen zur Einstellung europäischer Cloud-Aktivitäten gerichtlich anzufechten. Diese Maßnahmen betreffen Datenverarbeitung und Dienstkontinuität neben den technischen Möglichkeiten zur Bereitstellung von Workloads.
Microsofts Dokumentation bezeichnet Sovereign Control Panel als Nachfolger von Regulated Environment Management. Die Konsole bündelt Souveränitätsinformationen zu Azure-Ressourcen und kombiniert Bewertungen durch Azure Policy mit direkten Prüfungen der Ressourcenkonfiguration. Zu den vorgesehenen Funktionen zählen die Messung von Datenresidenz, Vertraulichkeit, Betriebskontrolle und Kontinuität, die Umsetzung organisatorischer Anforderungen sowie das Erkennen von Ressourcen, die vom erwarteten Zustand abweichen. Der neue Vorschautermin betrifft den Zugang zu dieser einheitlichen Aufsichtsumgebung.