KI im Gesundheitswesen
Oracle und AstraZeneca planen KI-Kooperation für die klinische Forschung
Eine unverbindliche Vereinbarung soll KI und Versorgungsdaten für die Forschung erschließen. Das erste Programm mit M42 betrifft Bluthochdruck in Abu Dhabi.
Oracle und AstraZeneca haben am 20. Oktober eine Zusammenarbeit angekündigt. Sie wollen untersuchen, wie künstliche Intelligenz und Informationen aus der medizinischen Routineversorgung die klinische Forschung mit der Patientenversorgung verbinden könnten. Die geplante Arbeit kombiniert die wissenschaftliche Expertise des Pharmaunternehmens mit Gesundheitsdaten, Cloud-Infrastruktur und klinischer Technologie von Oracle. Zu den Zielen gehören das Auffinden möglicher Studienteilnehmer und die Einbindung von Forschungsergebnissen in Arbeitsabläufe, die medizinische Fachkräfte im Alltag nutzen.
Die Unternehmen haben ein rechtlich unverbindliches Eckpunktepapier unterzeichnet. AstraZeneca erklärte, dass finanzielle Einzelheiten nicht veröffentlicht werden. Vorgesehen sind Projekte in den USA, im Nahen Osten und in Europa, die mit örtlichen Regierungen zusammenarbeiten und die jeweils geltenden Vorschriften beachten sollen. Die betrachteten Krankheitsgebiete umfassen Krebs, Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen, Atemwegs- und immunologische Erkrankungen sowie seltene Krankheiten. Die Mitteilungen beschreiben eine untersuchende Zusammenarbeit, bei der jedes einzelne Projekt weiterhin einer eigenen Prüfung unterliegt.
Die Gewinnung von Studienteilnehmern ist eines der Probleme, die die Partner angehen wollen. Sie möchten prüfen, ob KI-gestützte Anwendungen Versorgungsteams dabei helfen können, möglicherweise geeignete Menschen früher zu erkennen und Forschungsangebote während der klinischen Arbeit leichter zu identifizieren. AstraZeneca nannte auch frühere Diagnosen, die Überwachung der Arzneimittelsicherheit und die Nutzung von Erkenntnissen aus der Versorgung über den gesamten Lebenszyklus eines Medikaments als Untersuchungsfelder. Es handelt sich um vorgeschlagene Anwendungen. Die Ankündigungen enthalten keine gemessenen Verbesserungen bei Diagnose, Rekrutierung oder Behandlungsergebnissen.
Nach Angaben von AstraZeneca soll die Zusammenarbeit Daten aus der Versorgung verwenden, aus denen identifizierende Informationen entfernt wurden. Dafür sind Regelungen zu Datenschutz, Sicherheit und Governance vorgesehen. Das Unternehmen werde keine Informationen erhalten, die einzelne Patienten identifizieren. Jedes vorgeschlagene Projekt wird separat bewertet und erst umgesetzt, wenn die erforderlichen rechtlichen, datenschutzbezogenen, regulatorischen, ethischen und institutionellen Schutzmaßnahmen vorliegen. Auch Oracle ordnete die geplante Arbeit der Governance der behandelnden Gesundheitssysteme zu.
Das übergreifende Forschungsmodell soll ermöglichen, Erkenntnisse aus Studien und der Routineversorgung für spätere Studiendesigns, die Sicherheitsüberwachung und die klinische Praxis zu nutzen. Oracle zufolge wollen die Unternehmen gemeinsame Governance-Regeln, wiederverwendbare technische Bausteine und Kennzahlen zur Bewertung der Ergebnisse vereinbaren. Diese Maßstäbe sollen bei der Entscheidung helfen, ob sich ein in einem Umfeld wirksamer Ansatz auf andere Erkrankungen oder Regionen übertragen lässt. Die Vereinbarung umfasst damit eine Bewertung der Ergebnisse, bevor über eine breitere Nutzung entschieden wird.
Das erste Programm ist mit dem Gesundheitsunternehmen M42 in Abu Dhabi geplant. Die beim Abu Dhabi Future Health Summit angekündigte Initiative soll Unterstützung für Menschen untersuchen, deren Bluthochdruck weiterhin nicht ausreichend kontrolliert ist. M42 bringt lokale Erfahrung in Versorgung und Forschung ein, AstraZeneca Fachwissen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und klinischer Entwicklung. Oracle steuert elektronische Gesundheitsakten, Cloud-, KI- und Workflow-Funktionen bei. Die vorgeschlagenen Werkzeuge würden bereits verfügbare und zur Nutzung freigegebene klinische Informationen einsetzen, um Versorgungsteams auf Patienten hinzuweisen, bei denen weitere Untersuchungen oder eine Überprüfung der Behandlung sinnvoll sein könnten.
Die Arbeit in Abu Dhabi umfasst außerdem die Suche nach Menschen, die erste Eignungskriterien ausgewählter klinischer Studien erfüllen könnten. Laut M42 würden autorisierte Forschungsteams den vorgeschlagenen Ansatz nutzen, während qualifizierte Fachkräfte mögliche Zuordnungen prüfen. Die Kontaktaufnahme mit Patienten und deren Aufnahme in Studien würden genehmigten Studienverfahren und einer dokumentierten Einwilligung nach Aufklärung folgen. Die Verantwortung für Entscheidungen, die Patienten betreffen, bliebe bei medizinischen Fachkräften. Der Versorgungsteil soll Behandlungen unterstützen, die sich an klinischen Leitlinien orientieren.
Das Programm folgt auf eine frühere Ausweitung der Beziehung zwischen M42 und Oracle Health. Im September kündigte M42 an, Oracle Health Data Intelligence einführen und mit Oracle Health Foundation EHR integrieren zu wollen. Damit sollen klinische Informationen, Genomdaten und Versorgungsdaten innerhalb des Netzwerks verbunden werden. Diese separate Ankündigung nannte Diabetesprogramme als vorgesehenen Ausgangspunkt für Data Intelligence.