KI-Infrastruktur
SWI Compute kündigt europäische KI-Fabriken mit NVIDIA-Systemen an
SWI meldet Bestellungen über rund eine Milliarde US-Dollar für NVIDIA-Systeme. Die britische Rubin-Phase soll bis Ende 2027 starten; gesicherter Strom trägt die Ausbaupläne.
SWI Group hat am 26. Oktober den Start von SWI Compute angekündigt. Gesicherter Zugang zu Strom soll die Grundlage für ein europäisches KI-Cloud-Geschäft bilden. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen NVIDIA-Systeme im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar bestellt. Die 3,6 GW gesicherte Stromleistung des Mutterkonzerns bezeichnen Zugang zu Elektrizität und keine bereits betriebene KI-Rechenkapazität.
Die britische Planung beginnt mit 30 MW, knapp 7.000 Rubin-GPUs und 3.500 Vera-CPUs in Vera-Rubin-NVL72-Racks, die bis Ende 2027 in Betrieb gehen sollen. In der Oktober-Mitteilung nennt SWI eine spätere Campusgröße von 530 MW und strebt bis 2029 insgesamt 2,3 GW KI-Fabrikkapazität an. Beides sind weiterhin Pläne für die künftige Entwicklung.
Eine separate erste Bereitstellung sieht Blackwell Ultra vor; ausgewählte Systempartner sollen dafür mehr als 8.000 GPUs liefern. Sie darf nicht mit der britischen Rubin-Phase zu einer bereits ausgelieferten Flotte zusammengefasst werden. Eine nicht genannte US-Inferenzplattform hat Kapazität vertraglich gebucht. SWI will für künftige Anlagen NVIDIA DSX einsetzen. Aus dem Bestellvolumen geht nicht hervor, wie viel bereits bezahlt oder geliefert wurde.
Der Start folgt auf eine frühere Änderung beim Einstieg des Konzerns ins Rechengeschäft. Am 25. August erklärte SWI, eine eigene KI-Cloud-Plattform für Unternehmen, Forschende und Entwickler aufzubauen. Zugleich teilte der Konzern mit, eine zuvor geplante Mehrheitsbeteiligung an Polarise nicht weiterzuverfolgen. Stattdessen werde SWI die Expansion von Polarise finanzieren, während beide Unternehmen getrennt bleiben. Diese frühere Mitteilung legte die Strategie der Eigenentwicklung fest, die nun unter dem Namen SWI Compute Gestalt annimmt. Grundstücke und Stromressourcen werden dadurch mit Dienstleistungen verbunden, die an Kunden für Rechenleistung verkauft werden.
Auch die Finanzierung war vor dem Start vorangekommen. Am 12. Oktober meldete SWI eine Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro mit institutionellen Investoren und neuen Stammaktien, die in mehreren Serien ausgegeben werden. Laut Konzern sollen die Erlöse Strominfrastruktur, die Bereitstellung von Rechensystemen und die Entwicklungspipeline in Europa und den USA unterstützen. Die Finanzierungsankündigung galt dem Konzern und einem umfassenderen Ausbauprogramm. Sie war kein gesondert offengelegtes Budget ausschließlich für die britische Fabrik.
Eine KI-Fabrik ist ein Rechenzentrum, das auf das Trainieren oder Ausführen von KI-Modellen ausgerichtet ist und Prozessoren, Netzwerke sowie Gebäudetechnik gemeinsam plant. Die Produktdokumentation von NVIDIA beschreibt für DSX Software, Referenzdesigns und Simulationswerkzeuge, die diese Infrastruktur abdecken. DSX Sim modelliert Anlagen und Rechensysteme vor dem Bau; DSX MaxLPS koordiniert die Verteilung von Aufgaben und Leistung über GPUs und Racks hinweg. Diese Funktionen erläutern den technischen Ansatz, den SWI übernimmt, ohne die tatsächliche Leistung eines bestimmten künftigen Standorts festzulegen.
NVIDIAs separate Mitteilung zur europäischen Infrastruktur vom 21. Oktober liefert weitere Angaben zum Betrieb. DSX Flex stimmt den Rechenbedarf mit dem Zustand des Stromnetzes ab. Das Softwareportfolio DSX OS umfasst Netzwerkkonfiguration, Rack-Verwaltung und Prüfungen der Betriebsbereitschaft von Clustern. Die neuen Verwaltungskomponenten wurden als Entwicklervorschauen vorgestellt. NVIDIA erläutert außerdem, dass eine Flüssigkeitskühlung im geschlossenen Kreislauf Wärme an außen aufgestellte Trockenkühler abgeben kann, ohne Kühlwasser zu verdunsten. Je nach örtlichem Klima kann in den heißesten Perioden dennoch zusätzliche mechanische Kühlung erforderlich sein.
Die Entwurfsarbeit an der Plattform begann vor den Ankündigungen dieser Woche. NVIDIA stellte im Oktober 2025 die Omniverse-DSX-Blaupause vor und beschrieb digitale Zwillinge, die Gebäudeanordnungen mit elektrischen und thermischen Modellen verbinden. Ingenieure können damit Entwürfe untersuchen und mögliche Ausfälle vor Baubeginn abschätzen. Die ursprüngliche Darstellung umfasst auch werkseitig gefertigte Module sowie die Nutzung des digitalen Zwillings nach der Inbetriebnahme zur Überwachung und Optimierung des Betriebs. Dieser Ansatz über den gesamten Lebenszyklus verbindet die Anlagenplanung mit der fortlaufenden Aufgabe, installierte KI-Systeme produktiv zu halten.